Traueranzeige von
Esther Bejarano

15.12.1924 - † 10.07.2021
Traueranzeige von Esther Bejarano
Von Jwh at Wikipedia Luxembourg, CC BY-SA 3.0 lu, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39901027

Die deutsche Aktivistin jüdischen Glaubens überlebte ihre Zeit während des Zweiten Weltkrieges im KZ Auschwitz-Birkenau und engagierte sich später in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. Esther Bejarano trat bis zu ihrem Tod noch aktiv im Internationalen Auschwitz-Komitee und als Sängerin auf, dies vor allem mit der Kölner HipHop-Gruppe Microphone Mafia. Sie schrieb mehrere autobiografische Romane. Viel Kritikerlob erhielt Esther Bejarano 2013 für ihre Biografie “Erinnerungen. Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen rechts”.  

Esther Bejarano (geb. Loewy) wuchs im damals vom Deutschen Reich abgetrennten Saarland auf. Nach dessen Rückgliederung in das Deutsche Reich als Folge der “Saarabstimmung” 1935 waren schnell die ersten Repressionen gegen jüdische Familien bemerkbar. Ihre Auswanderungspläne scheiterten jedoch, so dass sie zunächst als Zwangsarbeiterin arbeiten musste. Ihre Eltern und ihre Schwester wurden 1941 bzw. 1942 ermordet. 

Im April 1943 wurde Esther Bejarano nach Auschwitz deportiert. Hier musste sie in einem Arbeitskommando Steine schleppen, konnte sich aber auch im Mädchenorchester von Auschwitz etablieren. Ende 1943 wurde sie ins KZ Ravensbrück verlegt. Als die Alliierten immer näher rückten, zählte sie zu denen, die an den berüchtigten Todesmärschen von KZ-Häftlingen teilnehmen mussten. Dabei gelang es ihr zu fliehen. 1945 entschloss sie sich zur Ausreise nach Palästina. 

Nach ihrer Zeit in Israel, in der sie heiratete und zwei Kinder bekam, kam die junge Familie 1960 nach Deutschland zurück. Esther Bejarano begann, ihre eigene Geschichte zu erforschen und ihr Leben zu dokumentieren. Außerdem schloss sie sich der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten an. 1986 gründete Esther Bejarano das Auschwitz-Komitee für die Bundesrepublik Deutschland, das sich anfangs jeden Samstag in ihrer Wohnung traf und bis heute existiert. 1990 wurde sie Bundessprecherin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und ab 2008 war sie dort Ehrenvorsitzende. Auch der Musik blieb sie treu und trat immer wieder öffentlich auf, so auch 1982 bei “Künstler für den Frieden” im Bochumer Ruhrstadion und ab 2009 mit der HipHop-Band Microphone Mafia. Sie blieb insgesamt über viele Jahrzehnte politisch und künstlerisch aktiv. 

Am 10. Juli 2021 teilten ihre Familie und das Auschwitz-Komitee der Öffentlichkeit Esther Bejaranos Tod mit. Ihre Familie, ihre Freundinnen und Freunde seien in den letzten schweren Tagen bei ihr gewesen, hieß es in einem Statement. Bundesaußenminister Heiko Maas sprach in einer Erklärung vom Verlust einer wichtigen Stimme „im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus“.

Dieses Trauerprofil wurde anlässlich des Todes von Esther Bejarano erstellt und ist der KZ-Überlebenden vom gesamten ASPETOS-Team gewidmet.